STATEMENT ZUM CORONAVIRUS IN WIESBADEN

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Die Gesellschaft kann auf die Covid-19 immunen Menschen nicht verzichten!

Die LINKE&PIRATEN Rathausfraktion setzt sich dafür ein, Testangebote – auch in Wiesbaden – planmäßig zu erweitern, um mehr ansteckende Personen und ihre zumindest engen Kontaktpersonen zu ermitteln, sie zu beraten und ihnen Auflagen zu machen, mit denen der Verbreitung des COVID-19 entgegengewirkt wird. Für den weiteren Verlauf der Pandemie kommt es aber auch darauf an, die Immunität festzustellen.

Es wird davon ausgegangen, dass nach Corona-Infektion gesundete Menschen, gegen das Virus immun sind und andere nicht mehr anstecken können.  Dies muss bei Strategien gegen die Pandemie mehr berücksichtigt werden. Genaue Zahlen zu immun gewordenen Personen liegen jedoch nicht vor. Die Möglichkeit einer systematischen Erhebung rückt jedoch näher: So melden die Universitätskliniken Frankfurt am Main mit Professorin Sandra Ciesek, dass sie zusammen mit Forscher*innen des Blutspendedienstes des DRK ein Verfahren entwickelt haben – das so genannte „Pool-Testen“ –, mit dem die Testkapazität um ein Vielfaches erhöht werden kann.

Immerhin haben bis Ende März 2020 in Deutschland mehr als 52.000 Menschen ihre COVID-19-Infektion überlebt und sind jetzt oder in wenigen Tagen immun. Die Dunkelziffer ist jedoch riesig, da die Kriterien für Tests bei den geringen Ressourcen auf die Risikogruppe, den Kontakt mit Infizierten und schwere Symptome beschränkt sind. Viele Menschen, die diesen Kriterien nicht entsprechen und/oder nur geringe Symptome aufweisen, werden nicht erfasst. Bei einer von Wissenschaftlern angenommenen Dunkelziffer des 20-fachen der tatsächlichen Infektionen im Vergleich zu den durch PCR-Test ermittelten wäre das etwa eine Million immuner Menschen in Deutschland; Ihre Anzahl nimmt täglich zu wie auch die kumulative Anzahl der „Fälle“, von denen längst die meisten wieder gesund geworden sind oder nie krank waren. Diese Immunen sind zu berücksichtigen, wenn wir über die zukünftige Strategie gegen COVID-19 nachdenken.
Es ist Zeit, die groben Maßnahmen des Kontaktverbots „für alle“, der Ausgangsbeschränkung „für alle“, der Aussperrung „von allen“ in Form geschlossener Betriebe und Einrichtungen, zu überdenken.

Sinnvoll wäre, Personen, die nach einer Infektion und folgender Isolation in die Gesellschaft zurückkehren, mit einem Dokument auszustatten, das sie von Kontaktverboten aller Art ausnimmt.

Freiwilligendienste bei der Versorgung von Alten und Schwachen, die Wiedereröffnung bisher geschlossener Betriebe und Einrichtungen sowie die Aufrechterhaltung der wirtschaftlichen Leistung gewinnen dadurch eine neue Perspektive. Wir dürfen jetzt niemanden im Stich lassen. 500 € mehr Gehalt für systemrelevante Berufe wie Alten- und Krankenpfleger*innen und Supermarktmitarbeiter*innen sowie eine Steigerung des Hartz IV-Satzes um 300 € sind dringend notwendig. Außerdem muss die Stadt mehr Sozialarbeiter*innen einsetzen um gegen häusliche Gewalt und andere Folgen der Kontaktverbote vorzugehen.

Was Sportarten betrifft, die in einem bestimmten Abstand ausgeübt werden können wie Tennis, Badminton, Leichtathletik und Waldlauf, sollte über eine Lockerung der Schließung von Sportanlagen, gegebenenfalls unter Auflagen in Bezug auf Abstand und Mundschutz, nachgedacht werden.

Insgesamt beurteilt die Fraktion L&P die vorschnelle Verlagerung von Entscheidungskompetenzen mit Skepsis. Die Aufrechterhaltung der Handlungsfähigkeit sei wichtig. Vor Ort sieht sie die Aufgabe der Stadtverordneten, aufmerksam und kritisch das Handeln des Magistrats zu begleiten und ihr – in der Hessischen Gemeindeordnung verankertes –  Mitspracherecht zu wahren. Dazu müssen wir uns die Fähigkeit erhalten, über Anträge und Sitzungsvorlagen zu beraten.