RB-2019-12-12-TOII-TOP88121-Neue-Tarifstruktur-mattiaqua-BF-L&P.pdf (5 Downloads)

REDEBEITRAG

der sportpolitischen Sprecherin Brigitte Forßbohm, in der Sitzung der Stadtverordnetenversammlung am 12. Dezember 2019 zur TOII-TOP88, 121: „Neue Tarifstruktur mattiaqua”.

Sehr geehrte Frau Stadtverordnetenvorsteherin,

sehr geehrte Damen und Herren,

verehrte Gäste,

Nach Auffassung unserer Fraktion müssen sport- und gesundheitspolitische Ziele bei der Tarifgestaltung für die städtischen Bäder im Vordergrund stehen. Aber auch unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten wäre es wichtig, eine Tarifstruktur zu entwickeln, die auf eine bessere Auslastung zielt. Das heißt, Anreize zu setzen, statt wichtige Kundenkreise abzuschrecken und in die umliegenden Bäder zu vertreiben wie es mit dem vorliegenden neuen Tarifsystem geschehen würde. Man kann einen Schwimmbadbesuch doch nicht mit völlig überhöhten Gebühren zu einem Luxusevent machen!  Und das, nachdem die Besucherzahlen im Sommer 2019 trotz anhaltender Hitze schon rückläufig waren.

Die von mattiaqua vorgelegten Zahlen für zu erwartende Mehreinnahmen von 400.000 bis 800.000 Euro sind völlig unrealistisch, da sie den zu erwartenden Besucherrückgang gar nicht berücksichtigen.

Umgekehrt würde eine Steigerung der Besucherzahlen von 10% Mehreinnahmen von ca. 600.000 Euro bringen. Der vorliegende Wirtschaftsplan für 2020/2021 von mattiaqua kommt bezeichnenderweise ohne die Tariferhöhungen aus, große Abweichungen sind auch gar nicht zu erwarten.

Zu den Tarifen im Einzelnen: Die Fraktion L&P schlägt zwar einen moderat erhöhten Einzeltarif für Erwachsene vor, dafür aber freien Eintritt für Kinder unter 14 Jahren nach Frankfurter Vorbild.

Die Fraktion will damit auf die steigende Anzahl junger Nichtschwimmer*innen reagieren und das Engagement der Schwimmvereine unterstützen. Außerdem würde dies mehr gesellschaftliche und sportliche Teilhabe ermöglichen, denn die Schwimmbäder sind vor allem in den Sommermonaten ein wichtiger Ort sportlicher Freizeitaktivität. Für wichtig halten wir auch günstige Abendtarife, die Anreize setzen nach Feierabend, Kita oder Hort nochmal schwimmen zu gehen.

Der neuere Beschluss der Kooperation mag einige Verbesserungen für den Kreis der Senior*innen und Vielschwimmer*innen gegenüber dem 1. Vorschlag von mattiaqua bringen. Dennoch: Die Halbjahreskarte soll (ohne Opelbad) nun 280 Euro (bisher 150 Euro) kosten, das ist fast eine Verdoppelung und selbst bei 20% Ermäßigung noch immer eine satte Erhöhung. 2022 soll sie auch noch auf 300 Euro erhöht werden.
Auch das völlig unattraktive Rabattsystem soll so wie vorgeschlagen, d.h. ohne Modifikation bleiben.
Die Hereinnahme der Senior*innen in die Gruppe der Ermäßigten ist ein Zugeständnis an die Gruppe, die sich am lautesten geäußert hat. Aus gesundheitspolitischen und sozialen Gründen will die Fraktion L&P auch die Bezieher*innen von Transferleistungen der Gruppe der Ermäßigten zuordnen.

Nach dem Antrag der Kooperation sind auf der Verliererseite sind vor allem Kinder und Jugendliche von 3-17 Jahren, die nun erst bei Kauf einer 100-Euro-Karte (!) in den Genuss von 20% Ermäßigung kommen sollen, womit der Eintritt dann 1,60 Kosten kosten würde, immer noch 10 Cent mehr als bisher. Auch alle Erwachsenen werden nun kräftig zur Kasse gebeten, darunter auch die Bezieher*innen von Transferleistungen.

Der OBR Nordost hat sich ablehnend geäußert wegen der besonders drastisch erhöhten Gebühren für das Opelbad. Die nun vorgesehenen Preise bedeuten ganz klar den Ausschluss aller, die irgendwo noch ihr Geld einteilen müssen. Der pensionierte Studienrat kann da nicht mehr mithalten. Das ist sehr schade, zumal es das einzige Schwimmerbecken in Wiesbaden ist, das immer 24 Grad hat. Auch der OBR Mitte hat protestiert. Andere konnten ihren Protest nicht mehr rechtzeitig einbringen, da sie überhaupt nicht informiert wurden.

Wir brauchen vor allem eine Werbekampagne für den Schwimmsport, die auch die vielen Verbesserungen der letzten Jahre in den Vordergrund stellt. Nur so könnten die sozialen, wirtschaftlichen, sport- und gesundheitspolitischen Ziele erreicht werden.