RB-2019-10-31-TOI-TOP6-Reaktivierung-Aartalbahn-BF-L&P.pdf (4 Downloads)

REDEBEITRAG

der planungspolitischen Sprecherin Brigitte Forßbohm, in der Sitzung der Stadtverordnetenversammlung am 31. Oktober 2019 zur TOI-TOP 6: „Reaktivierung Aartalbahn”.

Es gilt das gesprochene Wort

Sehr geehrte Frau Stadtverordnete,

sehr geehrte Damen und Herren

 

Die LINKE&PIRATEN Rathausfraktion setzt sich dafür ein, die Aartalbahn zu reaktivieren, um ein attraktives, umweltfreundliches und schadstoffarmes Mobilitätsangebot für die Pendlerströme aus den benachbarten Taunusgemeinden zu schaffen. Ein schienengebundenes System auf der Trasse der Aartalbahn würde eine ganz neue Qualität der Verbindungen herstellen.

Eine ÖPNV-Anbindung mit Buslinien ist zwar vorhanden, wegen langer Fahrtzeiten, teilweise ungünstiger Taktung und hoher Fahrpreise jedoch wenig attraktiv. Der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs in die Taunusgemeinden sollte vor allem unter dem Gesichtspunkt eines drohenden Dieselfahrverbots Priorität haben, da der Verkehr zurzeit hauptsächlich über den motorisierten Individualverkehr– sprich: übers Auto – abgewickelt wird. Dieser ist für die starke Stickoxid- und Feinstaubbelastung an den Ring- und Ausfallstraßen Wiesbadens mit verantwortlich.

Nach den derzeitigen Planungen soll die CityBahn nach dem Bau der Hauptstrecke von Mainz-Kastel zur Hochschule RheinMain an der Klarenthaler Straße, zu einem späteren Zeitpunkt bis nach Bad Schwalbach fortgeführt werden. Da der Bau der Hauptstrecke, wenn das Projekt zustande kommt, erst nach 2020 begonnen werden kann, würde es jedoch noch Jahre dauern, bis die Anschlussstrecke in Betrieb genommen werden kann.

Demgegenüber könnte die Aartalbahn kurzfristig und mit geringen Kosten reaktiviert werden und würde die Anforderungen an eine schnelle Verbesserung des regionalen Verkehrssystems im Zusammenhang mit einem drohenden Dieselfahrverbot in Wiesbaden berücksichtigen.

Im Juli 2018 startete der hessische Verkehrsminister Tarek Al-Wazir eine Initiative zur Reaktivierung von Bahnstrecken in Hessen, darunter auch der ATB. Er will dafür Bundesmittel beantragen, was den Geschäftsführer der Wiesbadener ESWE- Verkehrsgesellschaft, Jörg Gerhard, dazu veranlasste, einen schnelleren Bau der CityBahn nach Bad Schwalbach bis 2022 in Aussicht zu stellen. Geschätzte Kosten: 70 Mio. Euro.

Der Geschäftsführer der ATB GmbH, Klaus Wagner, sieht demgegenüber die schnellere und wesentlich kostengünstigere Möglichkeit einer zügigen Reaktivierung der gesamten Strecke der Aartalbahn, vorrangig bis nach Bad Schwalbach, auch unter Beibehaltung der bisherigen Spurbreite. Der stillgelegte Streckenabschnitt vom Wiesbadener Landesdenkmal an der Biebricher Allee zum Wiesbadener Hauptbahnhof könnte wieder hergerichtet werden. In Spitzenzeiten könnten dreigliedrige Züge sich in Wiesbaden Dotzheim aufteilen, um zum Hauptbahnhof oder über Wiesbaden-Ost nach Mainz, Darmstadt und Frankfurt am Main zu gelangen.

Solche Möglichkeiten könnten viele Pendler zum Umsteigen auf den ÖPNV veranlassen und die Verkehrs- und Umweltbelastungen für Wiesbaden spürbar vermindern.