RB-2019-09-12-TOI-TOP6-Umwelt-und-klimafreundlich-feiern-BF-L&P.pdf (8 Downloads)

REDEBEITRAG

der Stadtverordneten Brigitte Forßbohm, in der Sitzung der Stadtverordnetenversammlung am 12. September 2019 zur TOI-TOP 6: „Umwelt- und klimafreundlich feiern“.

Es gilt das gesprochene Wort

Sehr geehrte Frau Stadtverordnetenvorsteherin,  sehr geehrte Damen und Herren,

zu vielen Stadtfesten in Wiesbaden, wie dem Theatrium, dem Schiersteiner Hafenfest und zur Silvesterfeier gehören Feuerwerke. Sie sind große Publikumsmagnete und haben viele Zuschauer*innen. Heute, wo wir mit dem Klimanotstand konfrontiert sind, zu dem die Stadtverordnetenversammlung in ihrer letzten Sitzung einen Beschluss gefasst hat, gehört dieses lieb gewordene Vergnügen jedoch auf den Prüfstand. Dank neuerer Entwicklungen und Möglichkeiten brauchen wir – so wie es aussieht – nicht auf farbenfrohe Lichtspiele am Himmel zu verzichten, aber ein „Weiter so“ geht nicht.

Halten wir uns vor Augen: Nach Angaben des Umweltbundesamtes gelangen allein zum Jahreswechsel ungefähr 4.000 Tonnen Feinstaub durch private und öffentliche Feuerwerke in die Luft, das sind immerhin 15 % der jährlichen Feinstaubmenge des Straßenverkehrs in Deutschland. Daneben fallen etwa 2.300 Tonnen CO2 an, das sind etwa 25 Gramm je Einwohner. Insgesamt geben die Bürger*innen in Deutschland im Jahr eine Geldsumme zwischen 100 und 200 Millionen Euro für private Knallerei aus.

Was dies für die Natur bedeutet, wird gern verdrängt: Die Reste von Raketen, Böllern und Knallfröschen bleiben häufig auf Straßen und Grünflächen liegen. Auch viele Haustiere leiden unter dem Lärm und reagieren verängstigt. In unserer Stadt leben viele Vögel, die aufgeschreckt werden. Im Winter erwachen gefiederte Höhlenbewohner wie die Meise und geraten in Stress, Wasservögel fliegen teilweise auf. Anschließend brauchen sie lange, bis sie wieder zur Ruhe kommen. So erläutert der NABU-Ornithologe Dr. Stefan Bosch, dass das nächtliche Umherfliegen Vögel unnötig Energie kostet, auf die sie gerade in langen, kalten Winternächten angewiesen sind.

Denn auch in öffentlichen Grünanlagen sammeln sich viele Vögel und andere Tiere zur Nachtruhe, genauso wie in Gärten oder auf Bäumen und im Gebüsch.

 

Die Feuerwerkskörper haben unterschiedliche Bauformen und Inhaltsstoffe. Sie bestehen zu 25% bis 37% aus pyrotechnischem Material, der Rest sind Feststoffe wie Karton, Kunststoff, Ton und Holz.

Hauptbestandteil der Pyrotechnik ist Schwarzpulver (53% bis 67%), eine Mischung aus Kaliumnitrat, Holzkohle und Schwefel. Je nach Effekt und Farbe kommen unterschiedliche Metalle und Chemikalien (Kalium, gefolgt von Barium, Strontium, Magnesium und Kupfer, für die Farbeffekte) dazu.

Aber das ist noch nicht alles. Schauen wir uns an, wo die Feuerwerke produziert werden:

Wir sollten auch an die Arbeitsbedingungen, die Gefahren und Gesundheit der Menschen denken, welche die Feuerwerksköper produzieren.

Die Produktion in Indien und China deckt 97 Prozent des Weltmarktes ab. Alleine in der Stadt Liuyang in China arbeitet ein Drittel der Bevölkerung in den 1700 Fabriken für Feuerwerksköper.

Circa 70 000 Kinder arbeiten in Indien in der Feuerwerksindustrie. Schon Zehn- bis Zwölfjährige verdienen mit einer Arbeit unter extremen Gefahren nur einen Bruchteil der Erwachsenen. Fehlende Sicherheitsvorkehrungen und der Kontakt mit den Chemikalien führen zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen und immer wieder auch zu schweren Unfällen.

Ein Gütesiegel, das Kinderarbeit ausschließt, gibt es für Feuerwerkskörper noch nicht. Lediglich die CE-Kennzeichnung garantiert, dass Feuerwerkskörper auf die gesetzlichen Normen hin überprüft worden ist.

Mittlerweile können Städte und Gemeinden als Alternative zum Feuerwerk faszinierende Musik-Laser-Shows veranstalten. Laser und Scheinwerfer kommen ohne Feinstaub und Schwermetalle aus, zaubern aber genauso eindrucksvolle Bilder in den nächtlichen Himmel.

Bitte unterstützen Sie unseren Ergänzungsantrag zum TOP 6, Umwelt- und klimafreundlich feiern, nachdem der Magistrat eine Sitzungsvorlage für zukünftige Alternativen zu den derzeitigen städtischen Feuerwerken erarbeiten möge!