11 Jahre Equal Pay Day-ein mittlerweile fest verankerter Aktionstag

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Überholte Rollenbilder sind nicht überwunden: Keine Änderung am Lohngefälle zwischen Mann und Frau. Ein weiter Weg liegt vor uns – wir bleiben dran! Ein Statement der frauenpolitischen Sprecherin der LINKE&PIRATEN Rathausfraktion, Mechthilde Coigné

In diesem Jahr fällt der Equal Pay Day auf den 18. März. Frauen arbeiten demnach 2019 an 77 Tagen umsonst. Eine der Ursachen liegt wohl immer noch im traditionellen Frauenbild in Deutschland. Väter sind nach wie vor die Hauptverdiener, während von Müttern erwartet wird, dass sie im Job kürzer treten. Frauen üben die schlechter bezahlten Berufe in den Bereichen der Pflege, des Gesundheitswesens, der Erziehung usw. aus. Es sind ganz überwiegend Frauen, die nach Familienarbeit oft nur in Teilzeit in den Job zurückkehren. Ihre Karrierechancen sind dadurch erheblich geringer. Auch wird diese Entscheidung durch steuerpolitische Anreize wie das Ehegattensplitting beeinflusst.

Die gesellschaftliche Gleichstellung der Frau ist nur mit Veränderungen in verschiedenen Bereichen der Gesellschaft möglich. Es gilt die Rolle der Frau vor allem auf dem Arbeitsmarkt zu stärken und die finanzielle Unabhängigkeit lebenslang zu ermöglichen.

Arbeitszeiten, Kinderbetreuung und Organisation der Pflege sind nur Teile der gesellschaftlichen Organisation, die auf den Prüfstand muss.

Bund, Länder und Kommunen müssen in die Pflicht genommen werden. Verbände, Gewerkschaften und Parteien müssen ihre Verantwortung wahrnehmen. Ein großer Erfolg war die Einführung des Mindestlohns. Aber die Einhaltung muss kontrolliert werden. Es gibt immer noch zahlreiche Verstöße. Dagegen vorzugehen, darf nicht allein dem Zoll überlassen werden. Das Entgeldtransparenzgesetz ist ein Ansatz, Lohnungerechtigkeit aufzuspüren und dagegen vorzugehen.

Junge Frauen und Männer sollten sich nach ihren Neigungen für einen Beruf frei entscheiden können und nicht durch die Frage eingeschränkt werden, mit welcher beruflichen Tätigkeit kann ich überhaupt meine Familie ernähren. Wir fordern höhere Löhne für Pflege, Gesundheitswesen und Bildung. Mädchen und jungen Frauen ist stärker als bisher der Weg in typische „Männerberufe“ zu öffnen.

In Wiesbadens Stadtpolitik setzen wir uns weiterhin für eine geschlechtergerechte solidarische Kommunalpolitik ein. Wir skandalisieren die Missachtung der Frauenquote in den Gremien der städtischen Gesellschaften vor allem durch CDU, FDP und insbesondere AfD. Auch dass die Kooperation von SPD, CDU und GRÜNEN ausschließlich Männer an die Spitze der (sechs) Dezernate gewählt hat, ist sehr kritikwürdig. Wir fordern die Einführung einer Kontrollstelle gegen Schwarzarbeit und Missachtung des Mindestlohngesetzes sowie die Erhöhung der Löhne und Gehälter der Beschäftigten in der Stadtverwaltung und in den städtischen Gesellschaften. Der Ausbau der Kinderbetreuung darf nicht durch hohe Gebühren auf Kosten der Familien erfolgen. Wir fordern eine Reduzierung der Gebühren mit dem Ziel kostenloser Kinderbetreuung.

Das alles sind Ziele, die wir nur gemeinsam mit Gewerkschaften, Elternvertretungen, Verbänden und engagierten Bürger*Innen erreichen können Wir reichen allen die Hand, die dabei mitmachen, die Stadtgesellschaft gerecht zu gestalten. Der Equal Pay Day ist ein guter Anlass gemeinsam aktiv zu werden.

Mechthilde Coigné – Industriekauffrau, Mitglied im Ausschuss für Frauen, Wirtschaft und Beschäftigung, Fraktion LINKE&PIRATEN