Fremde Wasserpfeifen bedrohen das Abendland

Redebeitrag der Stadtverordneten der Linke&Piraten Rathausfraktion, Aglaja Beyes, zum Antrag der AFD-Fraktion „auf  Ausarbeitung und Vorlage einer Gefahrenabwehrverordnung für den Betrieb von Gaststätten, Bars und anderen Innengeländen, in denen das Rauchen von Wasserpfeifen angeboten wird”,  in der Sitzung der Stadtverordnetenversammlung am 07. Februar 2018.

Fremde Wasserpfeifen bedrohen das Land

Es gilt das gesprochene Wort.

 

Verehrte Stadtverordnetenvorsteherin

liebe Kolleginnen und Kollegen,

liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

werte Angsthasen

Ich danke Ihnen für die Gelegenheit, hier über das Gebot der Gefahrenabwehr, der beängstigenden Bedrohungslage in unserer Stadt Wiesbaden sprechen zu können – mitten in der fünften Jahreszeit!

Was um Himmels willen ist passiert? Ja, sehen Sie kein RTL? Die antragstellende Fraktion schon: „Immer mehr Kohlenmonoxid-Vergiftungen“, verkündete der Sender kurz vor dem Jahreswechsel auf 2018. Nicht etwa die Autoabgase sind eine tödliche Gefahr – weit gefehlt: „Shishas sind gefährlich.“ Da haben wir sie, die Gefahr, gegen die unverzüglich die Deutsche Umwelthilfe vorgehen sollte, statt sich gegen wehrlose Dieselfahrer zu richten. Nicht die Abgase sind das Problem, sondern der undurchsichtige Rauch der Wasserpfeifen!

Damit nicht genug: „Sind Shisha-Bars Horte organisierter Kriminalität arabischer und türkischer Clans?“ fragt die Rechtsaußen Partei in Bremerhaven und behauptet, diese Bars seien rechtsfreie Räume. Copy & Paste – und schwups landet das Thema aus Bremerhaven bei uns in Wiesbaden.

Propagandistisch geschossen wird hier in Wahrheit also dagegen, dass neue Menschen ankommen, sogar in Wiesbaden – jeden Tag ein paar. Da gibt es neue Menschen, neue Ideen und Verhaltensweisen. Und sie bringen ihren Tee und ihre Shisha-Pfeifen mit. Andersartiger Rauch steigt auf aus den Pfeifen. Und da qualmen alle gemeinschaftlich. Passt denn das in unsere Leitkultur? Bei uns hat gefälligst jeder seinen eigenen Stinkstengel zu rauchen. Teilen geht gar nicht.

Werte Angsthasen, ich nehme eure Ängste und Sorgen nicht ernst? Nö, weil sie Schall und Rauch sind. Aber wird da nicht gefährlicher Kohlenmonoxid ausgestoßen? Ja – Aber hat der Dieselverkehr, haben die Dieselproduzenten das Recht auf den Ausstoß ungesunder Schadstoffe gepachtet?

Oder ist es so: Der Giftausstoß durch den Verkehr geschieht im öffentlichen Raum. Da darf die Industrie machen, was sie will. Der Giftausstoß in einer Bar geschieht in einem abgeschlossenen Raum. Da brauchen wir schon Law & Order. Da muss schon mal kontrolliert werden, wer da mit wem was raucht.

Vergiften wir den öffentlichen Raum weiter. Aber im geschlossen Raum, da muss es sauber zugehen: Keine fremden Düfte nach Vanille, Orangen und dergleichem Fremden, sauber wollen wir’s ha’m.

Darum, liebe Närrinnen und Narren, fordere ich die sofortige Einstellung einer Hundertschaft Stadtpolizisten mit Spezialausbildung im Schnüffeln, damit uns garantiert keine gefährliche Wasserpfeife entgeht.

Vielen Dank!

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