Sehr geehrte Frau Stadtverordnetenvorsteherin, sehr geehrte Kolleg*innen, liebe Bürger*innen,

Tiere gehören nicht in den Zirkus.

Diese einfache und zugleich richtige Feststellung ist der Kern unseres Antrages. Es ist für mich als aufgeklärter moderner und moralischer Mensch unerträglich, dass Besucher*innen von Zirkusvorstellungen jubeln, wenn Tiere zu ihrer Belustigung durch brennende Reifen springen oder gezwungen werden unnatürliche Kunststücke vorzuführen. Bären tanzen nicht aus freien Stücken, kein Elefant in freier Wildbahn käme je auf die Idee einen Kopfstand zu machen.

Diese Tiere werden dazu gezwungen, und das passiert auf unmenschliche Art und Weise. Eine sanfte Dressur von wild lebenden Tieren gibt es nicht. Die Tiere bekommen Stockschläge, ihnen werden Elektroschocks verabreicht. Das gezielte Luftabschnüren und andere Foltermethoden kommen zum Einsatz, um den Willen der Tiere zu brechen. Auch der Futterentzug, dass Abspritzen mit eiskaltem Wasser und Peitschenhiebe gehören für diese Tiere zum Alltag. Erst wenn der Wille eines Tieres gebrochen ist, fügt es sich den Befehlen seiner Folterknechte, um dem Schmerzen zu entgehen.

Aber die Folter hört niemals auf. Selbst wenn sie gerade nicht „dressiert“ werden, müssen diese Tiere unsägliches Leid erdulden. Sie leben in kleinen Käfigen, die nicht genug Platz bieten, um sich ausreichend zu bewegen. Elefanten, Nashörner, Löwen – sie alle legen in freier Wildbahn täglich viele Kilometer zurück. Sie leben in weiten Steppen und in großen Rudeln. Im Zirkus sind sie auf wenigen Quadratmetern eingezwängt, haben kaum Kontakt mit Artgenossen. Das führt oft zu Verhaltensstörungen, Apathie und Verelendung.

Nicht zuletzt die Vorführung selbst ist ein barbarischer Akt der Tierquälerei. Laute Musik, grölende Menschen, grelle Lichter – Das alles führt bei den Tieren zu Stress. Eine natürliche Reaktion wäre Flucht oder Kampf. Beides wurde den Tieren durch wochenlange Folter „abtrainiert“, so dass sie ihrer „Aufgabe“, der Belustigung der Zuschauer, nachkommen.

Danach geht es wieder in die engen Käfige, die keine Heizmöglichkeiten besitzen. Gerade im Herbst und Winter sind die klimatischen Bedingungen alles andere als Artgerecht für Tiere, deren natürlicher Lebensraum die afrikanische Steppe ist. Sobald der Zirkus dann in eine andere Stadt zieht wird es nochmal extrem schlimm für die Tiere. Sie werden auf LKW verladen und fahren stundenlang quer durch die Republik. Es gleicht einem ständigen Tiertransport, was mit den armen Geschöpfen gemacht wird. Das Zirkusleben ist für die Tiere eine nicht enden wollende Qual. Eine Abfolge aus Gewalt, Angst, Demütigung und Folter.

Neben dem tierschutzrechtlichen gibt es einen zweiten großen Aspekt: Den Sicherheitsaspekt. Denn sobald sich den Tieren die Chance bietet, sich an ihren Peinigern zu rächen oder zu fliehen, nehmen sie diese war. Es gibt immer wieder Unfälle bei denen Menschen ernsthaft verletzt werden. Oft führt das zu einem neuen Kreislauf der Gewalt, da die Dompteure auf Versuche der Tiere, sich zu wehren, mit größter Brutalität reagieren.
Dennoch werden immer wieder Menschen verletzt. Aufgrund der dauernden Mobilität sind die Einfriedungen für sämtliche Tiere in der Regel leicht auf- und abbaubar sowie schnell zerlegbar. Dabei sind sie nicht im Boden verankert. Selbst bei gefährlichsten Tieren wie Elefanten, Bären und Raubkatzen sind die Sicherheitsmaßnahmen minimal.

Die Gefährlichkeit vieler Wildtierarten, die in Zirkussen gehalten werden, wurde von der Universität in Bristol untersucht. Die Wissenschaftler dort kamen zu dem Schluss, dass Zirkustiere 140-mal gefährlicher sind als Pitt-Bulls. Insbesondere vor dem Hintergrund des „Bärenvorfalles“ in Kassel 2009 oder dem Vorfall von Anfang Oktober 2016 in Baden-Württemberg, wo einem zwölfjährigen Kind durch einen Zirkuselefanten der Kiefer gebrochen wurde, wäre es fahrlässig, derartige Gefahren mitten in der Stadt weiterhin so zu akzeptieren. Wenn die CDU mal wirklich für mehr Sicherheit sorgen möchte, hat sie hier die Chance, das zu tun.

Wir bitten um Zustimmung zu unserem Antrag.
Vielen Dank für ihre Aufmerksamkeit.

001-17-02-16-Rede-TOP9-IvS-wildtiere-gesetzterA-final.pdf (117 Downloads)