051-14-09-16-A-Lesselallee-final-HB.pdf (51 Downloads)

Bei der Kastanienallee (Lesselallee) handelt es sich um ein naturrechtlich geschütztes Biotop von hohem ökologischen Wert. Sie wurde vermutlich im Laufe des Jahres 1913 nach Aufgabe der kommunalen Selbständigkeit der Gemeinde Kostheim zum Jahresbeginn errichtet und befindet sich fast gänzlich im Eigentum des Landes Hessens, das einen Vertrag zur Pflege mit der Landeshauptstadt Wiesbaden geschlossen hat.

 

Die Kastanienallee (Lesselallee) auf der Maaraue „prägt in hohem Maße das Landschaftsbild auf der Maaraue und ist für die Kostheimer Bevölkerung eines der positiven Wahrzeichen des Ortes. Der Bestand der Kastanienbäume sollte durch Pflegemaßnahmen langfristig erhalten werden…“, stellte der Ortsbeirat Mainz-Kostheim vor acht Jahren fest, als seitens der Fachverwaltung schon damals vom „mangelhaften Zustand“ der Kastanienallee gesprochen wurde. Selbst zu Beginn des Jahres 2014 bat der Ortsbeirat Mainz-Kostheim noch einmal darum, „die Pflegemaßnahmen für die Lesselallee zu intensivieren.“ In diesen Bewertungen des Ortsbeirats schlägt sich die hohe Wertschätzung für die Lesselallee in der Bürgerschaft nieder, die in den letzten Monaten auch in einem außergewöhnlichen Engagement der Bürgerschaft, darunter mehr als 3000 Unterschriften für den Erhalt und einer besonderen Initiative von über 1400 Bürgerinnen und Bürgern vor der letzten Umweltausschusssitzung, deutlich wurde.

 

In seiner öffentlichen Sitzung am 24. April 2013 wurde dem Ortsbeirat – ohne eine Sitzungsvorlage – von der Fachverwaltung mitgeteilt, dass eine Fällung der Kastanienallee erforderlich sei und diese durch eine „Flatterulmenallee“ ersetzt werden solle. Unter der Voraussetzung, die dafür erforderlichen 200.000 € stünden rechtzeitig zur Verfügung, werde die Maßnahme in zwei Abschnitten (im Herbst 2014 und im Herbst 2015) umgesetzt. Auf dieser „Informationsgrundlage“ nahm der Ortsbeirat mit äußerst knapper Mehrheit vom Vorgehen der Fachverwaltung „zustimmend Kenntnis“. Die Aussagen des von der Verwaltung beauftragten Gutachters Dengler hinsichtlich der Bedingungen zur Anpflanzung einer Flatterulmenallee aus dem Jahre 2008 fanden keinen Eingang in die Beratung des Ortsbeirats und wurden seitens des zuständigen Dezernats erst veröffentlicht, nachdem die Baumschutzinitiative Wiesbaden auf dieses Gutachten und dessen Inhalt öffentlich aufmerksam gemacht hatte.

 

Nach Auskunft des zuständigen Dezernats im September 2013 waren in den Jahren 2008 bis 2013 insgesamt rund 70.000 € für die Lesselallee verausgabt worden. Ein ganz erheblicher Teil hiervon für Gutachten. Im städtischen Haushalt stehen jetzt nach Auskunft der Verwaltung beim „PSP-Element I. 03747.200“ für die „Erneuerung“ der Lesselallee jeweils 70.000 € pro Haushaltsjahr zur Verfügung. Außerdem wurden weitere 80.000 € außerplanmäßig vom Kämmerer zur Verfügung gestellt. Die schriftliche Anfrage der Fraktion LINKE&PIRATEN nach § 45 der Geschäftsordnung (GO) der Stadtverordnetenversammlung vom 31. Juli 2014, für was diese insgesamt 220.000 € im Einzelnen verausgabt werden sollen (Fällung und Rodung der Kastanienallee, Eingriff in das benachbarte geschützte Biotop der Weichholzaue (in der Landschaftszone I), Anlage einer Staumauer/eines Deiches (lt. Gutachten Dengler notwendig), Vorbereitung und Anpflanzung einer Flatterulmenallee), hat der Magistrat bzw. der zuständige Dezernent – unter Missachtung der in der GO gesetzten Frist von vier Wochen – bis heute nicht beantwortet.

 

Mit der Begründung, dies sei aus Gründen der Verkehrssicherungspflicht erforderlich, ist die Lesselallee seit Monaten weiträumig abgesperrt. Hierdurch wird der Verkehr auf der nun von FußgängerInnnen, RadfahrerInnen und motorisiertem Verkehr genutzten Straße parallel zur Lesselallee gefährdet. Außerdem wurden und werden durch die Umzäunung Kosten in vierstelliger Höhe verursacht.

 

Der Baumsachverständige Prof. Dr. Weihs, der Baumsachverständigenwesen universitär lehrt, hat in seiner Expertise und in seinem Vortrag vor dem Umweltausschuss erklärt, dass die Kastanienallee vital und erhaltenswert sei. Der von der Stadt beauftragte Gutachter Dengler hat auf einer öffentlichen Veranstaltung am 31. Juli 2014 erklärt, dass er niemals die Fällung der Allee vorgeschlagen habe und den vom BUND vorgeschlagenen Erhalt der Allee bei Gewährleistung der Verkehrssicherheit und Beobachtung der weiteren Entwicklung sowie Nachpflanzungen „für den besten Vorschlag“ halte.

 

Angesichts des hohen ökologischen Werts der vermutlich über 100 Jahre alten Kastanienallee und der Fragwürdigkeit eines „Ersatzes“ durch eine Flatterulmenallee möge der Ausschuss beschließen:

  1. Die Kastanienallee auf der Maaraue (Lesselallee) soll als Teil des Landschaftsschutzgebietes auf der Maaraue erhalten bleiben.
  2. Einzelne Kastanienbäume sollen nur dann gefällt werden, wenn die Verkehrssicherungspflicht dies erfordert und die Erhaltung des Baumes durch Pflegemaßnahmen nicht mehr zu gewährleisten ist.
  3. Durch Fällung entstandene bzw. entstehende Lücken sollen durch Nachpflanzungen (mit Kastanien) geschlossen werden.
  4. Die Verkehrssicherheit der Allee bzw. der einzelnen Bäume ist umgehend zu prüfen und möglichst schnell durch Baumpflegemaßnahmen herzustellen.
  5. Der Abbau der Einzäunung ist so schnell wie möglich zu veranlassen. Umgehend ist zu prüfen, ob eine Beschilderung (Piktogramm) ausreichend ist, die darauf hinweist, dass der Aufenthalt in dieser Allee (im Außenbereich), die keine öffentliche Straße darstellt und nicht dem öffentlichen Verkehr gewidmet ist, auf eigene Gefahr erfolgt.